Ein Reisebericht von Melanie Ritter

Ich bin ehrlich: Als ich mich für die Brüsselfahrt im Rahmen des Frauenmentorings der Landesgrünen anmeldete, dachte ich erst:
„Politik in Brüssel? Klingt nach endlosen Debatten und fernen Entscheidungen. Was soll das mit meinem Leben in Finsterwalde zu tun haben?“
Doch nach den drei Tagen war mir klar: Die EU ist viel näher, als ich dachte. Und sie betrifft uns alle.
Ankunft: Pünktlichkeit und Pommes
Die Fahrt von Berlin mit dem ICE verlief reibungslos – was ja bekanntlich bei der DB kein Standard ist. Bei der obligatorischen Portion Pommes kam mir die erste Erkenntnis: Wann habe ich das letzte Mal während einer Reise Geld wechseln müssen? Weder in Dublin noch in Sofia ist es nötig. Das ist das Ergebnis jahrzehntelanger europäischer Zusammenarbeit. Ein kleiner Moment, in dem mir klar wurde: Die EU ist kein abstraktes Ding sondern etwas, das unseren Alltag prägt.
Tag 2: Geschichte und die Stimme der Kommunen
Unser erster Programmpunkt war ein Spaziergang durch die Innenstadt von Brüssel. Dabei erfuhren wir, dass es hier einst einen Kanal gab, der heute nur noch unterirdisch fließt. Er ist zwar noch da, musste aber Platz für die städtischen Boulevards machen. Mein grünes Herz kochte natürlich – später im Hotel las ich allerdings noch, dass damals auch die Cholera-Epidemie schuld war.
Nach einem Stopp im Europabüro des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) wurde es konkret: Auch Kleinstädte wie Herzberg oder Gemeinden wie Röderland haben hier eine Stimme. Der DStGB vertritt und informiert Kommunen und zeigt, dass Europapolitik nicht in Brüssel endet, sondern vor unserer Haustür beginnt. Wer Fragen oder Ideen hat kann sich immer an das Büro wenden. Gut zu wissen!
Am Nachmittag stand das Haus der europäischen Geschichte auf dem Plan. Wer mal in Brüssel ist sollte unbedingt dahin! Sechs Etagen, von Kolonialisierung über Industrialisierung und Faschismus bis zur EU. Die Ausstellung ist neutral, aber nicht unkritisch. Bei einigen Exponaten musste ich ganz schön schlucken – obwohl ich mich eigentlich als aufgeklärt empfinde. Geschichte ist nicht immer einfach zu verdauen, aber notwendig, um die Gegenwart zu verstehen.
Tag 3: Das Europäische Parlament
Endlich war es so weit: der Besuch im Europäischen Parlament. Wir durften hinter die Kulissen blicken und lernten die grüne Abgeordnete Katrin Langensiepen kennen – eine tolle Frau. Sie erzählte uns, wie die Sitzungen ablaufen und erklärte den Apparat.
Besonders amüsant (wenn auch traurig): Die AfD ist selbst den rechtspopulistischen Fraktionen PfE und EKR zu extrem. Aussagen wie „Wir hätten gerne die SS zurück“ kommen auf europäischer Ebene (Überraschung!) nicht gut an.

Im leeren Plenarsaal lenkte unser Guide unsere Aufmerksamkeit auf etwas, das ich bisher nie hinterfragt hatte: die Sprachbarriere. Dolmetscher:innen übersetzen hier live in die unterschiedlichsten Sprachen. Sie können bis zu fünf Sprachen sprechen und trotzdem präzise übersetzen. Ein Symbol dafür, dass die EU Vielfalt aktiv lebt.
Anschließend ging es zur EU-Kommission. Verwaltung ist nicht mein Lieblingsthema, aber ein Satz ist mir im Gedächtnis geblieben: „Wir arbeiten für den Frieden in Europa.“ Einfache Worte mit viel Gewicht.
Fazit
Doch was die Reise wirklich besonders gemacht hat war nicht nur das Programm, sondern die Frauen. Die Fahrt mit den anderen Teilnehmerinnen des Mentoring-Programms war entspannt, inspirierend und voller Austausch. Ob beim Frühstück oder Abendessen – überall wurde über Politik diskutiert: Wie läuft die Arbeit in den verschiedenen Kreisen Brandenburgs? Wo gibt es Herausforderungen? Wie können wir Politik nahbarer machen?
Es ist schön zu sehen, wie unterschiedlich unsere Perspektiven sind und wie sehr es uns doch verbindet. Gemeinsam sind wir stärker.
Und das ist es, was die Grünen Frauen in Brandenburg mit ihrem Slogan auf den Punkt bringen:
„FEMININ MUSS IN DIE PARLAMENTE.“

